Book as Archive
Nach 2020 erlebte Belarus einen neuen Bruch im kollektiven Gedächtnis. Massive Repressionen und erzwungene Auswanderung gingen einher mit der systematischen Einschränkung des Zugangs zu unabhängigen Medien, kulturellen Ressourcen, Archiven und anderen Quellen, die das heutige Leben in Belarus dokumentieren. Gleichzeitig löschen oder verbergen die Menschen zunehmend ihre eigenen digitalen Spuren, da politische Meinungsäußerung zu Haftstrafen führen kann. Infolgedessen entstehen neue Lücken in den historischen Aufzeichnungen – nicht, weil die Ereignisse nicht stattgefunden hätten, sondern weil die Aufbewahrung von Beweismaterial gefährlich geworden ist.
Das ist nicht ganz neu. Die belarussische Geschichte wurde geprägt von Krieg, Besatzung, politischer Unterdrückung, Zensur und konkurrierenden Regimes, die die öffentlichen historischen Narrative kontrollierten und dabei oft wenig Raum für persönliche Erfahrungen und den Alltag ließen. Dennoch überlebt die Erinnerung durch stille Praktiken: Fotografien, Zeitzeugenberichte, persönliche Archive, kulturelle Projekte und Bücher.
„Das Buch als Archiv“ untersucht, wie eine neue Welle belarussischer Bücher zu Archivdokumenten einer verschwindenden Gegenwart werden kann. Anhand von Werken von Lesia Pcholka und Julia Cimafiejeva sowie des VEHA-Archivs werden wir verschiedene Formen der Bewahrung von Erinnerung und Alltagsgeschichte diskutieren – eines Alltagslebens, das selbst zutiefst politisch geworden ist. Die Diskussion befasst sich mit der Frage, wie verstreute persönliche Fragmente eine Geschichte bewahren können, die offizielle Narrative zu löschen versuchen.
Auf Belarussisch und Englisch.
Ort:
UQ-BAR-A-BA project space
Schwedenstraße 16
13357 Berlin