Transport aus dem Paradies – Enkelinnen
Filmvorführung „Transport aus dem Paradies“ und anschließendes Gespräch mit Eva Lustigová und Jacqueline Gies, moderiert von Aya Zarfati und Dr. Wolfgang Schwarz
Der international mehrfach ausgezeichnete (Golden Sail Award, International Film festival Locarno) tschechoslowakische Film „Transport aus dem Paradies“, 1962 von Zbyněk Brynych gedreht, basiert auf Arnošt Lustigs Drehbuch und seinem ersten Erzählungsband „Nacht und Hoffnung“. Die Handlung spielt 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt, in dem die Nationalsozialisten einen Propagandafilm drehen lassen, der der Außenwelt ein „normales“ Lagerleben mit erfüllender Arbeit in Handwerk und Garten sowie einem reichhaltigen kulturellen Leben vorgaukeln soll. Wie in der damaligen Wirklichkeit werden alle Mitwirkenden anschließend in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, worauf der Filmtitel in bitterer Ironie anspielt.
Im zweiten Teil der Veranstaltung mit dem Titel „Enkelinnen“ sprechen Eva Lustigová – Tochter von Arnošt Lustig, deren Großväter in Auschwitz und Dachau ermordet wurden – und Jacqueline Gies – Enkelin des SS-Standartenführers und persönlichen Sekretärs von Karl Hermann Frank, einer Schlüsselfigur des Naziterrors im sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren. Sie werden über die Bedeutung von Menschlichkeit und Gerechtigkeit im Kontext ihrer Biografien und der heutigen Weltsituation reflektieren. Jacqueline Gies und Eva Lustigová haben sich vor einem knappen Jahr kennengelernt. Als Enkelinnen von Täter und Opfern teilen sie mehr als achtzig Jahre später die Vision von einer gerechteren Welt. Sie tragen unterschiedliche Lasten, die ihr Leben geprägt haben.
Programm
Grußwort
S.E. Jiří Čistecký, Botschafter der Tschechischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland
Einführung
Dr. Jakob Müller, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Filmvorführung „Transport z ráje | Transport aus dem Paradies“
Regie: Zbyněk Brynych, ČSSR 1962, Länge: 93 Minuten, OmdU
Pause
„Enkelinnen“ – Eva Lustigová and Jacqueline Gies: Zwei Frauen, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam zu haben scheinen, verbindet ihre gemeinsame Vision einer gerechteren Welt – in einem Gespräch über den Film und die Bedeutung von Menschlichkeit und Gerechtigkeit im Kontext ihres eigenen Lebens und der heutigen Zeiten.
Moderation: Aya Zarfati (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz) und Dr. Wolfgang Schwarz (Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein, München)
Dauer: 11:00 bis 14:30, Einlass ab 10:30.
Eine Kooperation der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, der Arnošt Lustig Foundation, Prag, der Tschechischen Botschaft in Berlin, des Tschechischen Zentrums Berlin, des Deutschen Kulturforums östliches Europa und des Kulturreferats für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein im Rahmen von »FestivAL100« anlässlich des 100. Geburtstags von Arnošt Lustig.
Mit dem Ziel, die Menschlichkeit zu feiern, findet das FestivAL100 2026 anlässlich des 100. Geburtstags von Arnošt Lustig statt (www.lustigfoundation.org). Die weltweite Bedeutung des Autors wird von der UNESCO anerkannt, was sich in der renommierten UNESCO-Liste der im Zeitraum 2026/2027 begangenen Jubiläen widerspiegelt.
Das Programm soll die Teilnehmer in dreizehn Ländern auf vier Kontinenten dazu inspirieren, sich für Gleichheit und Gerechtigkeit einzusetzen, soziale Missstände wie Rassismus, Fanatismus und Sexismus zu bekämpfen und so eine gerechtere, humanere Gesellschaft aufzubauen.
Das FestivAL100 steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Tschechischen Republik, Petr Pavel, des Nationalkomitees der UNESCO für die Tschechische Republik, des Verbands der jüdischen Gemeinden in der Tschechischen Republik, des Botschafters der Tschechischen Republik in Deutschland, Jiří Čistecký, sowie weiterer angesehener Institutionen.
ARNOŠT LUSTIG (1926–2011), tschechischer Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Pädagoge, geboren in Prag. Seine Werke wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. Arnošt Lustig wurde für die wichtigsten Literaturpreise nominiert: für den Nobel- und Pulitzer-Preis sowie für den International Booker Prize. Als Holocaustüberlebender hat er sein Werk hauptsächlich dem Thema der Shoah gewidmet. Von den Nationalsozialisten wurde er dreimal zum Tode verurteilt, von den tschechoslowakischen Kommunisten zu einer Freiheitsstrafe. Über zwanzig Jahre lang stand er in seinem Heimatland auf der Liste der verbotenen Autoren und lebte im Exil. Im August 2020 gründeten seine Kinder, Eva und Josef, den Arnošt-Lustig-Stiftungsfonds, um sich für die humanistischen und demokratischen Werte einzusetzen, die Arnošt Lustig mit seinem Leben und Werk vertrat.
Die Urheber sind für die Auswahl, die Darstellung der Meinungen und die im Projekt FestivAL100 zum Ausdruck gebrachten Standpunkte verantwortlich. Diese müssen nicht unbedingt die Meinung der UNESCO widerspiegeln und sind für die UNESCO nicht bindend.