Ein Bild von Joachim Neumann, einem älteren Mann, vor einer schwarzweiß-Fotografie eines Fluchttunnels
zum Programm
Samstag, 14. November 2026 – 10:00 – 12:30
Berliner Unterwelten e.V.

Unterirdisch in die Freiheit mit Zeitzeuge Joachim Neumann

Vor Ort
Führung

Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 wurde die Bevölkerung Ost-Berlins über Nacht plötzlich und unvorbereitet von ihren Familien, (Ehe-)Partnern, Freunden, Arbeitsstellen, Studien- oder Schulplätzen in West-Berlin getrennt. Zahlreiche Menschen versuchten daher, durch selbstgegrabene Tunnel die tödlichen Sperranlagen zu unterqueren und so in die Freiheit zu gelangen. 

In unmittelbarer Nähe zum Tunnelbau-Brennpunkt Bernauer Straße erzählen wir die spannende Geschichte der Berliner Fluchttunnel und bieten als Highlight – neun Meter unter der Oberfläche – einen Blick in den einzigen originalen Fluchttunnel von 1970/71. Dieser ist durch einen vom Berliner Unterwelten e.V. gebauten rund 30 Meter langen Besuchertunnel erschlossen.

Der erste Fluchttunnel wurde im Oktober 1961 gegraben, der letzte scheiterte 1982. Insgesamt sind mehr als 75 Fluchttunnel bekannt, von denen jedoch nur 19 erfolgreich waren. Durch sie gelangten bis zu 450 DDR-Bürger von Ost- nach West-Berlin in die Freiheit. In der Führung berichten wir von spektakulären Erfolgen, Verrat und bitterem Scheitern, denn schnell entwickelte sich ein »Katz-und-Maus-Spiel« zwischen Tunnelbauern und DDR-Organen, zunehmend unter erschwerten Bedingungen für Fluchthelfer und Fluchtwillige.

1962 befand sich der Schwerpunkt im Fluchttunnelbau an der Heidelberger Straße zwischen Neukölln und Treptow, verlagerte sich aber bald aufgrund von Gegenmaßnahmen der Grenztruppen der DDR an die Bernauer Straße und Umgebung. Auf einer Länge von nur 350 Metern wurden die Grenzanlagen an dieser Stelle siebenmal untertunnelt. Die Bernauer Straße wurde zu einem Brennpunkt des Tunnelbaus, lag doch die Straße einschließlich beider Bürgersteige in West-Berlin, die südlich angrenzenden Häuser aber gehörten zu Ost-Berlin. Hier, in der kreuzenden Brunnenstraße, begeben wir uns in den historischen Gewölben der ehemaligen Oswald-Berliner-Brauerei anhand von Tunnelnachbauten im Originalmaßstab auf die Spuren der Tunnelbauer und erzählen unter anderem von den beiden erfolgreichsten Projekten »Tunnel 29« und »Tunnel 57«.

Zeitzeuge Joachim Neumann, einer der berühmtesten Fluchthelfer und erfolgreichster Tunnelgräber überhaupt, wird den Besuchern von »seinen« Tunnelbauten berichten, von denen als bekannteste der »Tunnel 29« und der »Tunnel 57«, beide an der Bernauer Straße gelegen, in die Geschichte eingingen. Insgesamt gelangten 99 Menschen durch die Tunnel, an denen Joachim Neumann mitwirkte, in die Freiheit. Durch seinen letzten, den »Tunnel 57«, kam schließlich auch seine spätere Frau Christa nach West-Berlin.

Dauer: ca. 2,5 Stunden

Preis: 26 Euro

Hinweise:

  • Festes, geschlossenes Schuhwerk wird zur Teilnahme vorausgesetzt (keine hohen Absätze, keine Sandalen, Flip-Flops, Ballerinas usw.).
  • Wir empfehlen die Mitnahme warmer Kleidung, da die Innentemperatur auf einem Teil der Tour ganzjährig nur ca. 10°C beträgt.
  • Kinder unter 7 Jahren können an dieser Tour nicht teilnehmen! Die Tour richtet sich von Inhalt und Anspruch an ein erwachsenes Publikum und wird für Jugendliche frühestens ab der 10. Klasse empfohlen.
  • Die Anlagen sind aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht barrierefrei. Während der Tour geht oder steht man die meiste Zeit. Sitzgelegenheiten sind selten oder nicht vorhanden. Es werden zahlreiche, zum Teil steile Treppen begangen. 
  • Vor Ort gibt es keine Besuchertoiletten. 
  • Wir behalten uns vor, dass aufgrund von Krankheit oder sonstigen unvorhersehbaren Ereignissen, statt des für die Tour vorgesehenen Zeitzeugen, kurzfristig auch ein anderer Zeitzeuge oder andere Zeitzeugin von uns einspringen kann.

Tickets sind bis zu 30 Tage im Voraus erhältlich.

Ort:
Berliner Unterwelten e.V.
Brunnenstraße 141, 10115 Berlin